Startseite Über uns Training Coaching Beratung Auftritte Aktuelles Kontakt / Termin buchen
Auftritte

„Ich sehe was, was du nicht siehst“ – unser Vortrag zu Bias im Trainingsraum auf der ZPE 2026

Wen sehen wir zuerst? Wem trauen wir Kompetenz zu? Und wessen Beitrag bekommt besonders viel Raum? Auf der Zukunft Personal Europe haben Tanja Hartwig und Timothy Tasch gezeigt, wie Biase im Trainingsraum wirken – und wie wir bewusster damit umgehen können.

Am 15. September 2026 standen Tanja Hartwig und Timothy Tasch auf der Zukunft Personal Europe in Köln auf der Bühne des BDVT. Als Leiter*innen der BDVT-Fachgruppe Diversity haben sie ein Thema mitgebracht, das beide nicht loslässt: unbewusste Verzerrungen im Trainingsraum.

Tanja Hartwig und Timothy Tasch beim Vortrag „Ich sehe was, was du nicht siehst – Bias im Trainingsraum“

Zum Einstieg: Nachdenken im Stehen

Statt mit Folien ging es mit Fragen los. Das Publikum sollte an das letzte eigene Training, den letzten Workshop oder die letzte Moderation denken:

  • Wen aus dieser Gruppe könnt ihr heute noch beschreiben – und wen nicht?
  • Wessen Beiträge habt ihr aufgegriffen, und wessen Beiträge sind stehen geblieben?
  • Wer war euch am ähnlichsten – und wie viel Redezeit hatte diese Person?
  • Wer konnte selbstverständlich mitmachen, und für wen war die Teilnahme mit zusätzlicher Anstrengung verbunden?

Niemand musste etwas beantworten. Die Frage war nur: Was kommt zuerst hoch?

Was ist eigentlich ein Bias?

Ein Bias ist eine systematische Verzerrung in dem, was wir wahrnehmen und wie wir urteilen. Biase spiegeln oft, was wir erlebt und aufgeschnappt haben. Wenn sie unbewusst bleiben, landen wir schnell im Schubladendenken, übersehen Kompetenzen oder arbeiten immer wieder mit Menschen, die so aussehen, sprechen und denken wie wir selbst.

Wichtig war uns dabei: Ein Bias ist keine Charakterschwäche. Biase sind das Ergebnis von Sozialisation. Das nimmt uns nicht die Verantwortung – aber es nimmt uns die Scham. Und ohne Scham lässt sich deutlich besser mit Gruppen arbeiten.

Der Trainingsraum ist ein Beziehungsraum

Ein Trainingsraum ist kein neutraler Ort. Tanja hat mit ihrem Beziehungsmodell gezeigt, wie viele Beziehungen darin gleichzeitig wirken – und an wie vielen Stellen Vorannahmen entstehen können: zwischen Trainer*in und Teilnehmenden, zwischen den Teilnehmenden untereinander, zu Auftraggeber*innen, zu den Inhalten, zum Setting und zum Raum selbst. Oft entstehen Biase schon, bevor das Training überhaupt beginnt.

Der Bias-Würfel

Damit Biase nicht abstrakte Begriffe bleiben, hat Timothy sie in einen Würfel gesteckt. Auf jeder Seite stand eine Bias-Form, die in Lernräumen besonders zuverlässig auftaucht – vom Ähnlichkeitsbias über den Halo-Effekt bis zum Akzent- und Sprachbias. Das Publikum durfte entscheiden, welche Seite wir aufmachen. Dahinter steckte jeweils ein echtes Beispiel aus dem Trainingsalltag, der Mechanismus dahinter und eine konkrete Handlungsidee.

Ein Beispiel von Timothy: In der Vorstellungsrunde erzählt jemand, dass er auch aus Kanada kommt und auch Musiker ist. Nach zwanzig Minuten habe ich ihn dreimal aufgerufen – zwei andere kein einziges Mal. Das ist der Ähnlichkeitsbias: Ähnlichkeit fühlt sich von innen nicht wie Sympathie an, sondern wie Qualität. Ich halte seine Beiträge nicht für sympathischer, ich halte sie für besser. Unser Tipp: In den ersten zwanzig Minuten bewusst auf die Redeanteile achten – wo schaue ich hin, welche Seite des Raums habe ich im Blick? – und gezielt auch die Menschen ansprechen, die bisher wenig zu Wort gekommen sind.

Tanja Hartwig spricht am BDVT-Stand auf der Zukunft Personal Europe 2026 vor Publikum, daneben der Bias-Würfel

Ich – ich nicht

Zum Schluss hat Tanja mit Ich/Ich-nicht-Fragen gezeigt, wie unterschiedlich eine Gruppe aussieht, je nachdem, mit welcher Brille wir auf sie schauen. Eine vermeintlich homogene Gruppe wird plötzlich vielfältig – und die Zuordnungen, die wir zuerst wahrnehmen, sind oft gar nicht die, die für die Menschen selbst entscheidend sind.

Drei Punkte zum Mitnehmen

  • Rechnet mit euren Biasen, statt euch für sie zu schämen. Wer sie erwartet, erkennt sie schneller.
  • Baut eine Routine ein, die nicht von eurer Tagesform abhängt. Eine Strichliste, eine feste Reihenfolge, eine Rückfrage. Vorsätze halten nicht, Strukturen schon.
  • Sprecht im Raum darüber. Wenn ihr benennt, dass ihr an eurer eigenen Wahrnehmung arbeitet, verschiebt das die Erlaubnis für alle anderen.

Denn: Menschen lernen am besten dort, wo sie auch vorkommen dürfen. Bias-Arbeit im Trainingsraum ist deshalb keine Frage der Gesinnung, sondern eine Frage der Wirksamkeit unserer Arbeit.

Das Feedback

Über die Rückmeldungen haben wir uns sehr gefreut. Eine davon bringt es auf den Punkt:

„Euer Vortrag hatte wieder einige AHA-Effekte.“

Danke an alle, die dabei waren, mitgedacht und mitdiskutiert haben – und an den BDVT für die Bühne auf der Zukunft Personal Europe.

Publikum am BDVT-Stand während des Vortrags zu Bias im Trainingsraum auf der ZPE 2026

Zurück zu den Auftritten

Lust auf diesen Vortrag oder einen Workshop zu Bias und Diversity in eurem Unternehmen?

Schreib uns oder ruf an – wir stimmen Thema und Format gemeinsam mit dir ab.